Daten über das 27. bundesweite Tischlerinnentreffen

Do, den 22. - So, den 25. September 2016

in der ev. Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Hirschluch, Storkow (bei Berlin), Brandenburg

mit 150 Frauen* und 12 Kindern

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Bericht vom 27. bundesweiten Tischlerinnentreffen

von Silja Hüffmeier

Gemeinsam gestärkt durch Austausch und Hefezopf

 

Was für viele Teilnehmerinnen ein fester Termin im Kalender ist, kann es für die Neuen noch werden: das bundesweite Tischlerinnentreffen. In diesem Jahr trafen wir uns südöstlich von Berlin in der

Ev. Jugendbildungstätte Hirschluch.

150 Holzfachfrauen* und solche, die es noch werden wollen, waren angereist, um sich zu vernetzen,

auszutauschen und einfach eine gute Zeit miteinander zu haben. Dabei auch 12 Kinder, die das weitläufige Gelände erkunden konnten.

Ca. 50 neue Gesichter gab es zu begrüßen, eine kam extra aus der Schweiz. Die jüngste Teilnehmerin geht noch zur Schule; ist aber mit 16 Jahren schon dabei zu überlegen, ob sie Tischlerin werden möchte. Um das herauszufinden, gab es Donnerstagabend kleine Kennlernrunden. So fiel es vielen leicht, gleich Anschluss und gemeinsame Themen zu finden.

Jedes Jahr ein andere Organisationsteam, 2016 kam es aus Berlin und Brandenburg, heißt auch: „Die Idee bekommt immer wieder ein anderes Gesicht.“

Als Teamsymbol gab es diesmal den Hefezopf. Das sorgte erst für Verwirrung, aber im Laufe der Zeit wurde es klarer: Nach langem behutsamem Gären gibt es einen guten Teig, der gemeinsam geflochten wird zu einem Zopf. Alte Zöpfe müssen bekanntlich auch mal geschnitten werden und wenn sie dann auch lecker sind und uns alle stärken, kann das nur gute Teamarbeit bedeuten.

Inhaltlich ging es in diesem Jahr einerseits um die Gestaltung und die Bedingungen der Arbeitswelt und andererseits um den bewussteren Umgang mit unserem Hauptrohstoff: dem Holz.

Jule Kürschner und Tina Pech, beide Geschäftsführerinnen der Tischleria (Berlin) berichteten von ihrer Betriebsgründung. In einem weiteren Workshop erzählten 2 aus dem Berliner Baukollektiv vieles über Betriebsorganisation und -alltag. Anschließend konnte dazu offen weiterdiskutiert werden zu dem Thema: „wie will ich eigentlich arbeiten?“ Zusätzlich gab es ein Angebot der IG-Metall zu Rechten von Auszubildenden und Arbeiterinnen*.

Eine Waldbegehung durch die Brandenburger Kiefernwälder mit einer örtlichen Försterin schärfte den Blick auf eine andere Weise zum Rohstoff Holz. Was sind „gute“ Bedingungen, was hat es mit den Zertifizierungen des Marktes auf sich? Dazu gab es einen Einstieg von einer Vertreterin der GDHolz. Vertiefen konnten die Teilnehmerinnen dies durch einen weiteren Workshop mit Nina Grieshammer, die Naturschutzverbände berät. Sie berichtete über illegalen Holzeinschlag auch in Europa und was das Holzsicherungsgesetz für die Holzfachfrau bedeuten kann. Außerdem hatte sie eine doch andere kritischere Sicht auf die Zertifizierungssiegel.

Aber auch die praktische Seite kam nicht zu kurz: Kettensägen, Schrankbeleuchtung, Werkzeugschärfen oder Baumklettern. Wieder fiel es schwer, sich für eins zu entscheiden, denn auch die kreativen Angebote wie Linolschnitt, japanische Tuschemalerei, Bildhauen oder Freihandzeichnen lockten die Teilnehmerin*.

Auf der Veranstaltung zum Gendersternchen diskutierten etwa 30 Teilnehmerinnen* angeregt ihr

Verständnis von Geschlecht und welche Bereicherungen aber auch Ängste mit einer Öffnung des

Tischlerinnen*treffen für Menschen, die nicht in eine Zwei-Geschlechter-Ordnung passen, einhergehen. Begleitet wurde die Runde von zwei Referentinnen von AB Queer aus Berlin.

Nebenbei gab es viele Möglichkeiten zum Gespräch, zum Baden im Storkower See, Abendprogramm aus dem Publikum genießen, feministisches Kabarett oder auf die Tombola fiebern, die viele mit einem Gewinn beglückte. Wir danken den vielen Sponsoren für finanzielle Unterstützung und Sachspenden.

Zum Ende konnten alle sich die lachende Säge, schon lange Symbol des Tischlerinnentreffens, auf Hose, Shirt, Schürze oder Jacke drucken, so dass wir uns auf der nächsten Baustelle gleich wiedererkennen werden.

Ansonsten hoffentlich bis zum nächsten Mal, ein neues Orgateam steht in den Startlöchern und wir sind gespannt, welches Gesicht das Treffen 2017 haben wird.

Flyer des Treffens

Wir danken dem Orgateam 2016

Anina Ramp, Anita Ackermann, Annette Otto, Fabian Gerlach, Kristin Meißner, Marina Kurtagic, Mirjam Junker, Momo Dannenmann, Sarah Bujny, Silja Hüffmeier, Tjorven Hofmann, Toni, Vera Freitag, Yvonne Richter.